Stadtplanung: Urban Quality Award geht dieses Jahr nach Polen
Ein Mahnmal im ehemaligen Ghetto Krakaus hat den ersten Preis des „Urban Quality Award“ gewonnen. Das Projekt „Platz der Helden des Ghettos“ des Architekturbüros Projektów Lewicki Łatak wurde von der Jury mit dem ersten Platz und einem von der Eurohypo gestifteten Preisgeld von 25.000 Euro bedacht. Um an den Abtransport der Juden aus dem Ghetto zu erinnern, wurde der Platz mit 70 leeren Bronzestühlen ausgestattet, die nicht nur an die Geschehnisse erinnern, sondern auch zu einer lebendigen Nutzung des Platzes einladen. Die Eurohypo vergibt den Award alljährlich seit 2006 für beispielhafte Projekte zukunftsfähiger Stadtentwicklung.
Der zweite Preis und eine Prämie von 10.000 Euro gingen an die Landschaftsarchitekten von JBBUG johannes böttger büro urbane gestalt und das Architekturbüro ASTOC für die Neugestaltung des Klagesmarkts in Hannover. Dort werden Auswüchse der „autogerechten Stadt“ der 50er und 60er Jahre zurückgenommen und den Hannoveranern ein grünes Dreieck im historischen Zentrum ihrer Stadt zurückgegeben. Ebenfalls Silber und eine Prämie von 10.000 Euro erhielt das Atelier Loidl für die Gestaltung der innerstädtischen Brachfläche am Gleisdreieck in Berlin. Auf dem Areal verbindet nun ein Park die Stadtteile Schöneberg und Kreuzberg. Eine besondere Anerkennung erhielt darüber hinaus das „Lesezeichen Salbke“, eine Open-Air-Bibliothek in Magdeburg.
Was gelungener Städtebau ist, erfuhren auf der Preisverleihung die geladenen Gäste vom Festredner Julian Nida-Rümelin. Der prominente Philosophieprofessor zählte sieben Kriterien auf, die „Urbanität“ bzw. die „Ethik der Stadt“ ausmachen. Seine Forderungen reichen von einer (wohl etwas abstrakten) Anwendung des Kantischen Begriffs der Menschenwürde („Stadt muss so sein, dass wir darin selbstbestimmt leben können“), über „Pluralität“, „Identität“, „Bildungsfreundlichkeit“, „Kreativität“ und „soziale Inklusion“ bis zum Allerwelts-Wort „Nachhaltigkeit“. Unter letzterem Begriff versteht Nida-Rümelin aber nicht verbesserte Außendämmung und Fenster mit Dreifachglas, sondern die Ausdehung der ethischen Verantwortung, wie sie etwa Kants Kategorischer Imperativ formuliert, auf künftige Generationen. „Davon sind wir weit entfernt“, mahnt der ehemalige Kulturstaatssekretär im Kabinett Gerhard Schröders.
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